Musiker Matthias Thurow zum Thema “Copyright und Datenklau”
Feb 20th, 2009 | By admin | Category: VERSCHIEDENES
Copyright und Datenklau - Geschrieben von Matthias Thurow
Ein sehr ernstes Thema für uns Künstler und vor allem für die ganze Independent-Szene. Unsere Musik und unsere Arbeit darum herum, ist ein wesentlicher Teil unseres Broterwerbs, den wir uns in Studios, mit Musikern, die wir bezahlen und mit viel Energie und Phantasie in keiner 40 Stundenwoche, immer wieder neu erarbeiten müssen. Immer wieder das Risiko laufen, nicht gehört oder nur einschränkt wahrgenommen zu werden, da uns die Lobby fehlt.
Ich weiß, dass das ein uraltes Thema ist, aber trotzdem finde ich es immer wieder wichtig, unsere Freunde und die es noch werden, für dieses Thema sensibel zu machen.
Mir persönlich ist das in den 80iger Jahren das erste Mal selbst begegnet, da gab es gerade die ersten CDs und vor allem den überall bereiten Kassettenrecorder!! Natürlich kein Vergleich zu heute….
Ich sollte in Freiburg für das dortige Ballett eine Musik schreiben und traf mich mit dem Choreographen, um die Musik zu besprechen. Wie das so üblich ist, über Musik kann man meist nur sehr schwer reden, wenn es darum geht Vorstellungen und Klänge zu präsentieren, also brachte er eine Musikkassette mit, auf der er Musiken zusammengestellt hatte, die so seiner Vorstellung entsprachen. Er spielte mir die Musik vor und ich stellte fest, dass darunter 2 Nummern aus meinem damaligen Album CORNUCOPIA waren, ich dachte klasse!!! Dann fragte ich ihn, was das denn für Musik sei und wo er sie her habe, das wusste der gute Mann nicht, er hatte sie bei einem Tänzer gehört, der sie sich bei einem Freund kopiert hatte, der wiederum hatte auch einen Freund etc. Das Resultat ist klar, der Mann ging mit meiner Musik umher, wusste weder von wem sie ist, noch sonst was, fand sie aber gut…. (das war auf heute gesehen geradezu lächerlich, denn als ich ihn darauf aufmerksam machte, war es ihm sehr, sehr peinlich….niemand will, wenn es ihn persönlich trifft, dass man mit ihm so umgeht!)
Das ist genau der Punkt, an dem man anfangen muss, nachzudenken. Wenn Robby Williams seine Fans aufruft nicht mehr seine Platten zu kaufen, sondern sie zu kopieren, er hätte genug verkauft, ist das ok. Großzügig, oder vielleicht ein wenig größenwahnsinnig, aber völlig ok, es ist seine Entscheidung. Aber wir, die immer alle auf ihre Art Borderliner sind, sind darauf angewiesen, dass die Menschen, die unsere Arbeit schätzen , unsere Arbeit auch kaufen.
Ich sehe das ja auch an unserem Projekt „KATHARINA“, wir verzichten alle völlig auf unsere Tantiemen, wir versuchen den „Verein gegen Missbrauch“ finanziell damit zu unterstützen, wir waren im Studio, haben Musiker eingeladen, produziert und gestaltet, telefoniert, diskutiert, Reisen gemacht, Kontakte hergestellt etc. Lebenszeit damit verbracht und für einige von Euch ist es nichts anderes als ein Track den man kopiert oder löscht??!!!? Wow!
Wenn wir mal genau hinschauen, so umgeben wir uns doch ständig mit Musik, es ist längst ein „Nahrungsmittel“ geworden, doch beim Bäcker bezahlst Du Dein Brot und klaust es nicht, jedenfalls nicht in der Regel.
Ihr seht, ich bin da mittlerweile ziemlich emotional, also musste das mal an dieser Stelle hinaus in die „Welt“! Ich würde mich freuen, wenn ich zu diesem Thema hier mehr lesen kann.
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Mehr zu Matthias Thurow auf seinem eigenen Blog: www.matthiasthurow.de

